Kaugummi kauen: was es für Zähne und Verdauung bringt

Kaugummi hat einen schlechten Ruf als Naschkram und einen guten als Zahnpflege für unterwegs. Beides trifft zu — es kommt darauf an, was drin ist und wie lange gekaut wird.

Der Wirkmechanismus ist der Speichel

Nach dem Essen sinkt der pH-Wert im Mund, weil Bakterien Zucker und Stärke zu Säuren abbauen. Unterhalb eines pH-Werts von etwa 5,5 beginnt der Zahnschmelz, Mineralien zu verlieren. Genau hier setzt der Kaugummi an: Kauen steigert den Speichelfluss um ein Vielfaches.

Speichel spült Essensreste weg, puffert Säuren ab und liefert Calcium und Phosphat, mit denen der Schmelz sich wieder aufmineralisieren kann. Zehn bis zwanzig Minuten Kauen nach einer Mahlzeit bringen den pH-Wert schneller in den unkritischen Bereich zurück.

Zuckerfrei ist die Bedingung, nicht das Extra

Ein gezuckerter Kaugummi kehrt den Effekt um: Er liefert den Bakterien laufend Nachschub. Nur zuckerfreie Produkte sind zahnfreundlich. Besonders untersucht ist Xylit, ein Zuckeraustauschstoff, den kariesrelevante Bakterien nicht verwerten können — in höherer Dosierung senkt er ihre Zahl im Speichel messbar.

Ein Hinweis für Haushalte mit Hund: Xylit ist für Hunde hochgiftig. Schon kleine Mengen können zu einer lebensbedrohlichen Unterzuckerung führen. Kaugummis gehören dort außer Reichweite.

Was Kaugummi nicht kann

Er ersetzt das Zähneputzen nicht. Der Zahnbelag in den Zwischenräumen und am Zahnfleischrand — also dort, wo Karies und Parodontitis tatsächlich entstehen — wird durch Kauen nicht entfernt. Kaugummi ist eine sinnvolle Ergänzung für die Situation unterwegs, kein Ersatz für Bürste und Zahnseide.

Ein häufiger Irrtum betrifft säurehaltige Mahlzeiten. Nach Zitrusfrüchten, Softdrinks oder Wein ist der Schmelz kurzzeitig aufgeweicht. Direkt danach zu putzen, trägt Substanz ab. Kaugummi ist in dieser halben Stunde tatsächlich die bessere Wahl — das ist einer der wenigen Fälle, in denen er dem Putzen überlegen ist.

Wann Dauerkauen schadet

  • Kiefergelenk und Kaumuskulatur. Wer stundenlang kaut, belastet das Kiefergelenk einseitig. Bei bestehenden Beschwerden im Bereich der Kiefergelenke kann das Schmerzen auslösen oder verstärken.
  • Verdauung. Beim Kauen wird Luft geschluckt. Bei empfindlichem Darm führt das zu Blähungen und Völlegefühl.
  • Zuckeralkohole. Sorbit und verwandte Süßungsmittel wirken in größeren Mengen abführend. Auf Packungen steht deshalb der Hinweis, dass übermäßiger Verzehr abführend wirken kann.
  • Reflux. Die Datenlage ist gemischt: Kauen kann Sodbrennen lindern, weil Speichel die Säure neutralisiert, bei manchen Menschen verstärkt die Luftaufnahme die Beschwerden aber.

Die Faustregel

Zuckerfrei, nach dem Essen, zehn bis zwanzig Minuten, dann ausspucken. In dieser Form ist Kaugummi eine der einfachsten Maßnahmen der Zahnvorsorge — gerade für Menschen, die tagsüber unterwegs sind und ohnehin nicht putzen würden.


Dieser Text informiert allgemein und ersetzt keine zahnärztliche Beratung.

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