Diabetes mellitus: Typen, Folgen und Behandlung
Typ-2-Diabetes ist in Deutschland längst eine Volkskrankheit, und die Zahlen steigen weiter. Nach Berechnungen des Robert Koch-Instituts lag die Prävalenz des diagnostizierten Typ-2-Diabetes 2022 bei 8,6 Prozent, das entspricht rund 6,05 Millionen Menschen. Die Prognose bis 2050 geht von 16,1 Prozent und etwa 11 Millionen Betroffenen aus.
Die Typen auseinanderhalten
Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem zerstört die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Sie beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter, lässt sich nicht durch Lebensstil verhindern und erfordert von Anfang an Insulin.
Typ 2 entsteht über Jahre aus einer zunehmenden Insulinresistenz: Die Zellen sprechen schlechter auf Insulin an, die Bauchspeicheldrüse kompensiert, bis sie es nicht mehr schafft. Er macht den weit überwiegenden Teil aller Fälle aus.
Schwangerschaftsdiabetes tritt vorübergehend auf, erhöht aber das spätere Risiko für Typ 2 deutlich — ein Grund für Nachkontrollen nach der Geburt.
Warum Typ 2 so lange unbemerkt bleibt
Die klassischen Zeichen — starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, schlecht heilende Wunden, Häufung von Infekten — entwickeln sich schleichend und werden dem Alter oder dem Stress zugeschrieben. Deshalb wird ein Typ-2-Diabetes häufig erst entdeckt, wenn bereits Folgeschäden vorliegen.
Diagnostiziert wird über Nüchternblutzucker, HbA1c (den Langzeitwert der vergangenen zwei bis drei Monate) oder einen Zuckerbelastungstest. Ein einzelner erhöhter Wert reicht nicht — die Diagnose braucht eine Bestätigung.
Die Folgen betreffen die Gefäße
Dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt große und kleine Gefäße. Daraus ergeben sich die typischen Folgeerkrankungen:
- Augen. Die diabetische Retinopathie verläuft lange ohne Beschwerden und ist in Deutschland eine der häufigsten Erblindungsursachen im Erwerbsalter. Jährliche augenärztliche Kontrolle ist deshalb Standard.
- Nieren. Diabetes ist die häufigste Ursache für dialysepflichtiges Nierenversagen.
- Nerven. Die Polyneuropathie zeigt sich als Kribbeln, Taubheit oder Brennen, meist zuerst an den Füßen. Sie ist der Grund, warum kleine Verletzungen unbemerkt bleiben.
- Herz und Gefäße. Herzinfarkt und Schlaganfall sind die häufigsten Todesursachen bei Diabetes.
Was die Behandlung heute leisten kann
Am Anfang steht in aller Regel keine Tablette, sondern die Basistherapie: Ernährung, Bewegung, Gewichtsreduktion. Der Effekt wird unterschätzt — in Studien konnte eine deutliche Gewichtsabnahme einen Typ-2-Diabetes bei einem beträchtlichen Teil der Teilnehmenden in Remission bringen.
Medikamentös ist Metformin meist der erste Schritt. Dazugekommen sind in den letzten Jahren SGLT-2-Hemmer und GLP-1-Rezeptoragonisten, die über die Blutzuckersenkung hinaus Herz und Nieren schützen. Welche Kombination passt, hängt von Begleiterkrankungen ab.
Strukturierte Behandlungsprogramme (DMP) der Krankenkassen organisieren die regelmäßigen Kontrollen — Augen, Füße, Nieren, HbA1c. Wer teilnimmt, bekommt die Termine nicht mehr selbst zusammensuchen.
Quelle der Zahlen: Robert Koch-Institut, Journal of Health Monitoring 2025, Prognosen zum Typ-2-Diabetes. Dieser Text informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung.
