Gesundheit

Verhütungsmittel auf Staatskosten

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FZ, 17.09.2009 10:40:00
Hormone vom Staat! Mit dieser Forderung ist jetzt der hannoversche Diakonie-Direktor Dr. Christoph Künkel an die Öffentlichkeit getreten. Krankenkassen sollen seiner Meinung nach generell für die Kosten für Verhütungsmittel aufkommen, so Künkel am Dienstag vor Journalisten. Es sei unmöglich, dass Abtreibungen vom Staat finanziert würden, die Verhütung aber nicht für jeden sichergestellt sei. Hintergrund für Künkels Forderung sei die Beobachtung, dass Hartz-IV-Empfängerinnen häufig kein Geld für sichere Verhütungsmittel hätten.

Der Diakonie-Direktor verwies bei seiner Forderung auf das Beispiel, dass das Land Niedersachsen rund 3,8 Millionen Euro dafür zur Verfügung stelle, dass Frauen in Notfallsituationen einen Schwangerschaftsabbruch machen könnten. Verhütungsmittel würden hingegen nur bei Frauen unter 20 Jahren übernommen. Dabei sei es rein rechnerisch gar nicht möglich, dass Hartz-IV-Empfängerinnen das Einsetzen einer Spirale (350 Euro) selbst bezahlen könnten. Auch der Bezug der monatlichen Pille sei bei einem zu Verfügung stehenden Betrag von lediglichen 13,17 Euro für Arztkosten im Monat nur theoretisch möglich.
Praktisch sei dies aber nicht umzusetzen, denn auch die Pille beläuft sich auf Kosten von 39 bis 59 Euro für drei Monate.

Auch Schwangerschaftsberaterin Sabine Kuhne aus Rothenburg/Wümme erklärte, dass sie oft Frauen aus Hartz-IV-Umständen vor sich sitzen hätte, die verschämt berichten, dass kein Geld für Verhütungsmittel da gewesen sei. Das Ansparen einer Summe zwischen 39 und 59 Euro sei für diese Frauen im Alltag nicht umsetzbar.

Nachdem eine Petition zu dem Thema, welche von verschiedenen Beraterinnen und Beratern mehrerer Diakonischer Werke an den niedersächsischen Landtag und den Deutschen Bundestag gesandt worden war, ohne Resonanz blieb, wendet sich Künkel jetzt mit einem Brief an die niedersächsischen Bundestagsabgeordneten. „Dass hier gespart wird, ist ethisch nicht zu verantworten! Rund 40 Prozent der ungewollten Schwangerschaften in Niedersachsen gehen auf mangelnde Verhütung zurück.“
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