Gesundheit

Immer mehr Jugendliche brauchen Psychopharmaka

ico_60x60_gesundheit.png
JD, 21.10.2008 17:03:00
Wenn die Seele  so sehr wehtut, dass kein Ausweg in Sicht scheint, ist die Einnahme von Medikamenten, die die biochemischen Vorgänge im Gehirn beeinflussen unumgänglich. Heute deckt eine Studie auf, dass der Verbrauch sogenannter Psychopharmaka in den letzten Jahren stark zugenommen hat.

So erhalten etwa viermal so viele Kinder und Jugendliche Neuroleptika – Medikamente, die unter anderem bei autistischen Störungen oder Psychosen eingesetzt werden – als noch vor acht Jahren.

Der Studie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Köln enthüllt, dass ein „bemerkenswerter Anstieg“ zu verzeichnen ist. Den Zahlen zufolge hätten im Jahr 2000 etwa 6800 Kinder Neuroleptika erhalten, acht Jahre später waren es schon beachtliche 28 100 junge Patienten.

Zahlen, die besorgniserregend sind, meint auch Gerd Lehmkuhl, Klinikleiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie Köln. „Ärzte müssen darauf achten, dass sie diese Medikamente nicht zu leichtfertig vergeben“, mahnt Lehmkuhl.

Eine Fernsehsendung hatte am Montag berichtet, dass Ärzte Psychopharmaka zunehmend auch bei Störungen des Verhaltens einsetzen, eine Verwendung, die nicht immer im Rahmen des Erlaubten liegt.
Obwohl bestimmte Psychopharmaka nicht für Verhaltensstörungen zugelassen sind, seien viele Ärzte dazu übergegangen, auch diese auszuprobieren. Lehmkuhl ermahnt Ärzte, vor einer medikamentösen Behandlung immer auch pädagogische und andere therapeutische Maßnahmen in Erwägung zu ziehen.

Auch die eigentlichen Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen. So könnten neben beträchtlichen Gewichtszunahmen auch Störungen der Motorik oder apathisches Verhalten zutage treten.
News
ZURÜCK: Zurück