Gesundheit
Bye, bye lila Kuh
Die Werbepartnerschaft Thomas Gottschalks mit einem bekannten Bonner Fruchtgummiproduzenten besteht seit 1991 und ist damit bereits einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde wert gewesen. Grünen-Fraktionschefin Bärbel Höhn sähe diese und andere Werbespots für Süßigkeiten jedoch lieber im Abendprogramm – oder gar nicht. Angesichts steigenden Übergewichts bei Kindern und Jugendlichen spricht Höhn sich für ein schärferes Vorgehen der Bundesregierung gegen ungesunde Ernährung aus.
Am heutigen Mittwoch berät das Kabinett über den Nationalen Aktionsplan Ernährung (Optikur berichtete), dieser geht Höhn zufolge jedoch nicht weit genug. Gegenüber der Deutschen Presseagentur dpa kritisierte sie: „Der Aktionsplan packt das Problem nicht an den Ursachen, sondern es werden hauptsächlich Alibi-Maßnahmen vorgeschoben.“ Statt Industrie und Wirtschaft in die Pflicht zu nehmen oder konkrete Maßnahmen zu entwickeln, strotze der Aktionsplan vor Konferenzen, Broschüren und Selbstverpflichtungen.
Höhn plädiert dafür, weitreichendere Konsequenzen zu ziehen: „Seehofer scheut auch weiterhin vor staatlichen Eingriffen und gesetzgeberischen Maßnahmen zurück.“ Bildung und Information seien zwar wichtig, wirkten aber erst mittelfristig. „Die Mitverursacher der Übergewichtsprobleme, also die Ernährungs- und Werbewirtschaft, werden komplett geschont.“ Daher fordert die Politikerin, die auch die umstrittene Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln befürwortet, ein TV-Werbeverbot für Süßigkeiten: „Großbritannien hat deswegen bereits seit längerer Zeit Werbung für Süßigkeiten vor 20 Uhr im Fernsehen verboten.“
Hintergrund der Debatte: Seit längerem wird in Deutschland hitzig über die so genannte Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln gestritten.

