Nicht nur Berti Vogts ist der Meinung, dass sexuelle Abstinenz die körperliche Leistungsfähigkeit steigert.
Fitnessmythos mit Zukunft
In den letzten Monaten vor dem entscheidenden Wettkampf besann sich Ikko von Tarentum auf das Wesentliche. Er aß Unmengen Wildschwein- und Ziegenfleisch, auch Käse. Er ging in die antike Form des Fitnessstudios und trainierte den Weitsprung und den Speerwurf. Er rieb seinen Körper mit Olivenöl ein, damit er schön glänzte- und er verzichtete auf Sex. Denn er glaubte, dass Abstinenz wichtig war, wenn man seine athletische Kraft und Ausdauer behalten wollte. Es war das Jahr 444 vor Christus, Ikko- ein erfolgreicher Fünfkämpfer- wollte auch bei den diesjährigen Olympischen Spielen Ruhm und Ehre gewinnen. Ikko ist der Urvater der sexuellen Abstinenz. Die Legende lebte weiter.
Kraftraubender Bettsport?
Eines der Argumente der „Kein Sex vor dem Wettkampf“ Vertreter ist stets der hohe Energieverbrauch, der schließlich zu einem Leistungsabfall am entscheidenden Tag führe.
Verzicht = Verlieren?
Viele Hochleistungssportler leiden unter den sogenannten „pre-game jitters“ (Vorwettkampf-Zittern), einer Art Lampenfieber unter Sportlern. Diese Anfälle sind gekennzeichnet von starken Angstgefühlen, Herzrasen und Schweißausbrüchen. Sex könnte diesen Sportlern vermutlich helfen, ihre Anspannungen zu entladen.
Sportpsychologen sagen, dass die durch Sex ausgelöste Entspannung Sportlern auch dienen könnte, mit dem Konkurrenzdruck besser umzugehen. Wenn die Anspannung zu groß ist, kann sich das unmittelbar auf die Leistung auswirken. Denn einige Sportarten, besonders Golf, Bogenschießen oder Snooker, verlangen von den Athleten präzise Muskelarbeit, die über Sieg oder Niederlage entscheidet. Ein anderer guter Grund, vor dem Wettkampf Geschlechtsverkehr zu haben, ist die Art des Trainings. Viele Sportler reduzieren ihr Trainingspensum einen Tag vor dem Wettkampf und verfügen dann über Extra-Energie, die ungenutzt bleibt. Dies führt nicht selten zu Ruhelosigkeit und schlaflosen Nächten. Casey Stengel, der frühere Manager des amerikanischen Baseballteams New York Yankees sagte einmal, dass es nicht der Sex ist, der den Sportlern so zusetzt, sondern die Suche nach einer Partnerin.
Erfolgsgeschichten
Die Abstinenztheorie hält sich besonders hartnäckig in Sportarten wie Boxen und Fußball, weil man glaubt, dass die sexuelle Frustration zu mehr Aggressivität führe. Muhammad Ali gab zu, dass er freiwillig sechs Wochen vor jedem Wettkampf auf Sex verzichtet habe. Linford Christie, der amerikanische Sprintkönig berichtet von „schweren Beinen“, wenn er vor dem entscheidenden Tag sexuell aktiv gewesen war. Auch Shaun Smith, ein Verteidiger beim Footballteam Cincinnati Bengals, verzichtet vor wichtigen Spielen freiwillig auf Sex. Man möchte sich nicht entspannt, schwach und ruhig fühlen, wenn ein Spiel ansteht, sagt er. Im Gegenteil, ein Spieler, der gewinnen möchte, ist im Idealfall aufgeregt und sprunghaft. Trainer bauen gerade auf diese Aggression, die durch mangelnde erotische Zuwendung entsteht.
Vier gute Gründe, Sex zu haben
Es spricht vieles dafür, dass Sex positive Wirkungen auf den gesamten Organismus hat.
1.Testosteron-Spiegel steigt an
Bewiesenermaßen sorgt sexuelle Aktivität für eine erhöhte Ausschüttung der Geschlechtshormone. Bei Männern ist es das Testosteron, das vermehrt gebildet wird. Dieses stärkt Knochen, Herz und Kreislauf. Wenn man potenziell aggressive Sportarten, wie etwa Rugby, ausübt, kann diese Extra-Portion Testosteron sehr hilfreich sein.
Bei Frauen sorgt die erhöhte Östrogenzufuhr für eine bessere Regenerationsfähigkeit der Hautzellen, das Bindegewebe wird straffer, Cellulite geht zurück, Falten verschwinden.
2. Sex motiviert
Der angestiegene Testosteronspiegel macht aus müden Männern wahre Siegesmaschinen. Nach einem Liebesabenteuer sind sie mit mehr Kampfgeist, einer höheren Leistungsbereitschaft und positiver Aggression ausgestattet.
3. Sex macht glücklich
Neben dem Geschlechtshormon Testosteron werden beim sexuellen Verkehr auch verstärkt stimmungsaufhellende Hormone, die sogenannten Endorphine ausgeschüttet. Sie heben die Laune, sorgen für Entspannung, die Aufregung verschwindet. Das Lebensgefühl hebt sich, der Sportler ist optimal auf den Wettkampf vorbereitet.
4. Sex hat heilende Kräfte
Eine Studie der Rutgers Universität von New Jersey stellt sogar die Vermutung auf, dass sexuelle Stimulation Muskelschmerzen und andere Sportverletzungen bekämpfen kann. Diese schmerzstillende Wirkung ist vor allem bei Frauen bewiesen worden. Bei andauernder sexueller Aktivität kann sogar die Toleranzschwelle für Schmerz erheblich nach oben versetzt werden, das heißt, Schmerzen werden später und weniger stark wahrgenommen.
Frauen kommen von der Venus
Verschiedene Studien widerlegen eindeutig die von vielen Trainern vertretene These, dass Sex die Muskelaktivität schwächt und den Körper schwächt. Auch gibt es erste Hinweise, dass der anregende Bettsport sogar eine Leistungssteigerung bewirken kann. Besonders bei weiblichen Athleten. Der israelische Sportarzt Alexander Olshanietzky fand heraus, dass Frauen, die in der Nacht vor dem Wettkampf einen Orgasmus erlebt hatten, bessere Ergebnisse zeigten als ihre Mitkonkurrenten. Auch das Alter scheint eine bedeutende Rolle zu spielen. So sind jüngere Sportler, die vor dem Sportereignis Sex hatten, vitaler und leistungsfähiger als ihre älteren Mitstreiter.


