Wie kann man helfen wenn von einem Menschen eine deutliche Selbstmordgefahr ausgeht?
Das ist nicht nur ein weit verbreitetes Vorurteil sondern auch ein gefährliches dazu. Denn genau das Gegenteil ist der Fall. Für viele depressive Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden, kann ein Gespräch der rettende Anker sein, der sie doch noch ins Leben zurückzieht. Oftmals signalisieren Betroffene, dass sie sich das Leben nehmen wollen. Diese Äußerungen sind ein Hilferuf an die Außenwelt, ein letzter verzweifelter Versuch, eine nicht mehr zu ertragende Notsituation zu beenden.
Die Angst vor dem Gespräch
Viele Menschen haben jedoch Angst, sich depressiven Menschen anzunähern, sie befürchten, dass sie, um erneut eine Metapher zu benutzen, der letzte Nagel zum Grab des Betroffenen sind. Doch Psychologen sind sich einig: Das schlimmste, was man tun kann, ist nichts zu tun. Straft man den Betroffenen mit Schweigen und Nichtbeachtung steigert sich das Gefühl der Wertlosigkeit noch mehr, der Mensch sinkt weiter in die Depression. Sollte man die typischen Symptome bemerken, ist der erste wichtige Schritt, zu signalisieren, dass man für den anderen jederzeit da sein wird. Lautes Ansprechen und Aussprechen des Verdachts ist der erste Schritt, eine Tabuisierung eines drohenden Selbstmords ist die falsche Strategie.
Drei Strategien für betroffenes Umfeld
Allgemein kann man drei Wege verfolgen, um den Betroffenen in dieser schwierigen Situation zu helfen. Natürlich stellen diese keine Patent- und auch kein Erfolgsrezept dar. Grundsätzlich sollte man vermeiden, in die Rolle des Hobbypsychologen zu schlüpfen und für Betroffene wenig hilfreiche Sprüche wie“ Reiß dich doch mal zusammen“ anzubieten. Auch Ermahnungen oder andere wohl meinende Ratschläge sind nicht angebracht. Diese nützen dem Betroffenen wenig und zeigen nur, dass man selbst fremd in der Gefühlswelt des anderen ist.
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Ein anderer weit verbreiteter Mythos besagt: Wer über Selbstmord spricht, setzt es nicht in die Tat um. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum, denn, obwohl viele Menschen über ihre Suizidabsichten sprechen, heißt das nicht, dass mit der Versprachlichung auch der tiefen Traurigkeit ein Ende gesetzt ist. Angehörige und Freunde sollten dem Betroffenen zu verstehen geben, dass ihre Situation für sie sehr schlimm ist. Der moralische Zeigefinger oder gar Vorwürfe, weil man dem Leben nicht genügend Bedeutung beimisst, sind aber falsche Ansätze zur Hilfe.
2. Zuhören und Vertrauen schaffen
Dies ist die wichtigste Stütze betroffener Menschen. Viele Selbstmord-gefährdete Menschen haben niemanden, dem sie ihre Gefühle und Sorgen anvertrauen können. Aus Mangel an kommunikativen Möglichkeiten, stürzen viele immer weiter in einen Kreislauf aus Hilflosigkeit, Depression und Selbstzweifel. Die Minderwertigkeitsgefühle werden immer größer und der Ausweg rückt in immer weitere Ferne. Bieten Sie ihre Hilfe an, auch, wenn diese nur in einem offenen Ohr besteht. Ein langes Gespräch hat so manchem Betroffenen wieder ein Licht am Ende eines langen dunklen Tunnels aufgezeigt. Ist ein tiefes Vertrauensverhältnis entstanden, sollte der Betroffene bewegt werden, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im akuten Fall, das heißt, wenn eine konkrete Selbstmordankündigung besteht, sollte man nicht zögerlich sein, sondern den sozialpsychiatrischen Dienst oder die Polizei informieren. Auch die Einweisung in die Psychiatrie, in welcher der Betroffene eine stationäre Therapie beginnt, ist eine Möglichkeit der Soforthilfe.
3. Entlasten
Angehörige und Freunde sollten versuchen, den Suizidanten so weit wie möglich zu entlasten. Ist ein voll gepackter Terminkalender Grund für wachsende Überforderungs- und Todesgedanken, oder ein arbeitsintensiver Beruf, sollten gemeinsam Lösungsvorschläge gefunden und umgesetzt werden. Gemeinsam sollte man sich bemühen, Pläne für die Zukunft zu entwerfen. Ein, zusammen mit dem Suizidanten gefasster Plan, kann ein wichtiger Schritt hin zur notwendigen Änderung bestehender Missverhältnisse oder akuter Notsituationen sein.
Ebenfalls wichtig ist es, dass der Bezug zur Realität wieder hergestellt wird, das kann ein ermutigender Blick, ein Lächeln oder eine leichte Berührung sein. Denn erst, wenn sich die Betroffene langsam aus der Isolation wagen, ist es möglich, in die Welt der Lebenden zurückzukehren.
Selbstmordabsicht erkennen
Oftmals lässt sich die Selbstmordgefahr einschätzen. Studien haben gezeigt, dass etwa 80 Prozent der Menschen, die später durch Freitod aus dem Leben scheiden, ihre Tat im Vorfeld ankündigen. Das kann zum Teil durch die verbale Offenlegung, aber auch durch Verhaltensänderungen zu Tage treten.
Selbstmordgefahr: Zeichen eines angekündigten Todes
Die meisten Suizidanten ziehen sich zunehmend aus dem Leben in die eigene innere Welt zurück. Die sich immer weiter steigernde Isolation, sowohl innerlich als auch äußerlich, ist eines der Hauptmerkmale einer depressiven Erkrankung. In einer Zeit, in der viele unterschiedliche Reize auf jeden einzelnen von uns einwirken, bleibt der zwischenmenschliche Kontakt oft oberflächlich. Erschreckend viele Menschen haben niemanden, dem sie ihre Ängste, Sorgen und Nöte anvertrauen könnten. Zusätzlich reduziert sich in unser zunehmend technisierten Welt der Wert des Einzelnen immer weiter. Würde man in den Kopf der Betroffenen schauen, erblickte man eine Kombination unterschiedlicher Gedanken. Das vorherrschende Gefühl ist meist das der Hoffnungs-, Wert- und Ausweglosigkeit.
Viele Betroffene leiden zudem unter Schlafstörungen, können abends schlecht einschlafen oder erwachen mitten in der Nacht und haben große Schwierigkeiten, wieder zur Ruhe zu kommen.
Langsamer Abschied vom Leben
Der Appetit, selbst auf frühere Lieblingsspeisen, geht verloren und manche Menschen verabschieden sich in einem schleichenden Prozess vom Leben. Einige geben das einstmals heiß geliebte Hobby auf, andere trennen sich bereitwillig von Erinnerungsstücken und anderen persönlich wertvollen Dingen. Dieser Rückzug aus dem sozialen und gesellschaftlichen Leben geht oft einher mit Angstzuständen und einer zunehmenden Abgrenzung von normalen Alltagssituationen einher. Besonders ältere Menschen neigen dazu, vor ihrem Selbstmord zu dem Hausarzt zu gehen, um diesem die letzte Chance zu geben, ihre Ausweglosigkeit zu erkennen.
Drei Phasen des Selbstmordes
Psychologen differenzieren zwischen drei Phasen des Selbstmords. Da ist zunächst die Phase der Erwägung, in der der Betroffene nur an die Möglichkeit des Freitods denkt. Als Gedankenspiel erscheint der Freitod eine attraktive Lösung für bestehende Notsituationen. Eine zu diesem Zeitpunkt beginnende Psychotherapie kann in der Regel gute Erfolge erzielen. Phase zwei nennt man Phase der Ambivalenz. Sie bildet den wichtigsten Abschnitt, da der Betroffene noch ansprechbar und sich für Ratschläge und Hilfsangebote empfänglich zeigt. Die finale Entschlussphase ist durch ein ruhiges, gefasstes und gelöstes Auftreten gekennzeichnet. Der Betroffene ist sich über die Art und Weise, wie er aus dem Leben scheiden möchte, klar geworden und trifft letzte Vorbereitungen. Das Ansprechen von Suizidgedanken kann selbst jetzt noch Leben retten.


