Thursday 2.September.2010
 

Archiv der Kategorie ‘Zeitgeschehen‘

Gleichberechtigung

Am achten März war Internationaler Frauentag. Das wissen viele aber nicht. Hätte Alice Schwarzer nicht am nächsten Tag die Abschaffung des Frauentages gefordert, wäre er dieses Jahr wohl auch in den Medien untergegangen. Egal, ob man Frau Schwarzers nachvollziehbare Argumente teilt oder nicht, es ist gut, dass über das Thema Gleichberechtigung gesprochen wird. In der Berichterstattung spielt es kaum noch eine Rolle und für viele Menschen ist es abgehakt. Gleichberechtigung? Haben wir schon! Das ist von vorgestern, es gibt ganz andere Probleme…

Eben! Man könnte denken, dass schwierige wirtschaftliche Verhältnisse und globale Bedrohungen wie Hunger, Krieg und Klimawandel dazu führen, dass wir uns auf unsere gemeinsamen Stärken besinnen, um diese Probleme zu lösen. Aber ganz im Gegenteil stehen statt der Gemeinsamkeiten die Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Komiker, deren Repertoire daraus besteht, auf tatsächlichen und vermeintlichen Unterschieden herumzureiten, füllen ganze Stadien. Das ist nicht nur humoristisch eine Katastrophe, sondern auch ein bedrückendes Zeugnis dessen, wie wenig nachhaltig die Bemühungen um Emanzipation bisher scheinbar gewesen sind.

Klar, Männer und Frauen sind verschieden. Aber das ist kein Grund für Ungleichbehandlung. Männer untereinander sind auch verschieden. Aber kein Mann muss es sich bieten lassen, wenn ihm auf der Arbeit gleichgestellte Kollegen über den Mund fahren, er bei gleicher Qualifikation ein Drittel weniger verdient oder anzügliche Witze über seinen Körperbau gemacht werden. Für viele Frauen ist genau das aber immer noch Realität. In der Arbeitswelt, in der Familie, beim Einkaufen, auf der Straße und in der Beziehung. Und solange das so ist, haben wir keine Gleichberechtigung! Deshalb gibt es jeden Tag einen Grund, sich selbst, seine Rolle und sein Verhalten zu hinterfragen.

Ja, das können die Frauen gerne machen, ist ja auch so ein typisches Frauending, das mit der Selbstkritik. Geht mich die ganze Problematik also nichts an, weil ich ein Mann bin? Im Gegenteil! Jeder von uns lebt in einem System aus Traditionen, Rollenbildern, Vorurteilen und Unterdrückungsmechanismen. Klingt abgefahren? Ist aber so. Wer so tut, als ginge ihn das nichts an, verleugnet sich selbst und lässt andere über sich bestimmen – verdammt unmännlich…

Wir müssen, um der Frauen willen, aber vor allem um unserer selbst willen, darüber reden. Wer schweigt und stumm mitspielt, lässt sich passiv in eine Rolle drängen, die alle Bemühungen um eine lebenswerte Zukunft zunichte macht. Aber ich will kein Unterdrücker sein, der erwachsene Menschen bevormundet und ausnutzt. Ich will niemanden auf sein Geschlecht, seinen Körper oder seine Sexualität reduzieren. Ich will in einer freien Gesellschaft leben, in der Frauen und Männer mir auf Augenhöhe begegnen. Und auf gar keinen Fall will ich von Frauen umgeben sein, die sich an der Qualität ihres Apfelkuchens oder den Vorstellungen eines größenwahnsinnigen Ex-Models messen lassen!

Wir sind dabei, unsere Zukunft zu verpennen, Männer! Die alten Säcke sind immer noch da und versuchen, an der Uhr zu drehen. Na, in welche Richtung wohl? Doch es gibt viele Frauen, die sich im täglichen Kampf um Anerkennung und Gleichbehandlung dagegen wehren. Wenn wir sie nicht unterstützen und unsere Zukunft aktiv mitgestalten, wachen wir irgendwann in einer Welt auf, in der wir entweder die Rollen unserer Großväter spielen müssen oder in der sich die Frauen damit eingerichtet haben, ohne uns klar zu kommen. In beiden Welten kommen unsere Bedürfnisse nicht mehr vor! Klingt gruselig, oder? Deshalb ist es wichtig, darüber zu reden. Und deshalb hat Frau Schwarzer Frauen und Männern mal wieder einen großen Gefallen getan – danke!

Autor: JW

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Zukunftsangst

Gibt es wirklich Leute, die mit 19 Jahren schon wissen, was sie im Leben wollen? Wenn die Antwortet „Ja“ lautet, dann gehöre ich mit Sicherheit nicht zu dieser Gruppe. Ich war nie ein Mensch großangelegter Lebenskonzepte und wusste auch nicht während der Schulzeit, was ich später einmal machen möchte. Nach dem Abitur war ich erstmal plan- und hilflos und habe ich mich für irgendein Fach an der Uni eingeschrieben, das mir geeignet erschien. Meine Mutter hatte zu diesem Zeitpunkt schon ihren ersten Nervenzusammenbruch: „Kind, du musst doch wissen, was du willst.“ Wer kann von mir erwarten, dass ich mit meinen 19 Jahren schon weiß, was ich für den Rest meines Lebens machen möchte? Das wären ja dann an die 45 Jahre, die ich mit der gleichen Arbeit, den gleichen Inhalten und den gleichen Herausforderungen durchleben muss. Nein, das war nichts für mich. Nach rund einem Semester merkte ich dann auch, dass das, was ich mir da als Studienfach ausgewählt habe, nicht so ganz meine Welt war. Ich schlitterte mal wieder mehr zufällig als geplant in mein späteres Abschlussfach, das mir wahnsinnig Spaß machte.

Nach sieben Jahren Studentenleben mit Alkohol, Partys, Liebeskummer und der ein oder anderen Prüfung wurde ich wieder einmal planlos ins Leben geschossen. Nun ging es mal wieder ans Eingemachte und mal wieder wusste ich nicht, wohin die Reise gehen soll. Ziellos habe ich einfach gemacht, wonach mir der Sinn stand und was mir das nötige Geld einbrachte. Nach einigen Jobs und Praktika habe ich aber nun ein halbwegs festes Ziel vor Augen. Um an dieses Ziel zu gelangen habe ich zum ersten Mal in meinem Leben ein loses Konzept, das ich nun durchziehe. Manchmal frage ich mich, ob mein Leben nicht einfacher und weniger chaotisch verlaufen wäre, wenn ich schon damals gewusst hätte, wohin die Reise gehen soll. Und eine Antwort auf diese Frage bekomme ich nie.

Ich bin inzwischen 27 Jahre alt und stelle mir die berechtigte Frage, ob ich alles in meinem Leben richtig gemacht habe. Um mich herum wird freudig geheiratet und das ein oder andere Baby hat auch schon das Licht der Welt erblickt. Und ich stehe hier, wie immer halbwegs planlos, hilflos und mittellos. Habe keinen festen Job und nur die nebulöse Vorstellung meiner Zukunft. Ich fühle mich noch viel zu jung, um mich für den Rest meines Lebens an nur einen Mann zu binden und erst recht fühle ich mich zu jung, um mich um einen anderen Menschen als mich selbst zu kümmern. Allerdings fühle ich mich wiederum schon viel zu alt, um jetzt noch eine glanzvolle Karriere zu starten. Irgendwas läuft hier falsch.

Ich frage mich in letzter Zeit auch oft, ob ich vielleicht nie erwachsen und vernünftig werde. Und dann überkommt mich diese diffuse Angst, dass ich den richtigen Zeitpunkt verpassen könnte. Den besonderen Punkt nicht erkenne, an dem ich die wichtigen Karriereweichen stellen, den richtigen Mann heiraten und ein Kind bekommen kann. Was ist, wenn ich irgendwann mit Mitte 30 feststelle, dass ich jetzt dafür zu alt bin? Was ist, wenn ich aus meinem Leben doch nichts machen kann, obwohl mir doch eigentlich die ganze Welt offen zu stehen scheint? Ja, ich habe Zukunftsängste und dieses mulmige Gefühl eine entscheidende Abzweigung in meinem Leben versäumt zu haben. Diesen bestimmten Weg nicht beschritten zu haben, der mich zum Erfolg geführt hätte.

Allerdings bin ich vor knapp 27 Jahren an einem Sonntag geboren. Und das macht mich ja bekanntermaßen zu einem Sonntagskind und damit sollte ich auch mit großem Glück gesegnet sein. Ich glaube nach der Devise habe ich auch bisher gelebt. Irgendwie kam irgendwo immer irgendwas daher und trieb mich in meinem Leben weiter voran. Stillstand hatte ich bisher nie. In den größten Krisen klopfte doch immer wieder das Schicksal an, nahm mich an die Hand und führte mich wieder ein Stück weiter. Und wenn ich mir das so recht überlege, sollte ich mir wahrlich keine Sorgen um meine Zukunft machen. Ich bin halbwegs jung, gesund und habe den nötigen Grips, um es noch weit im Leben zu bringen. Am Ende wird doch immer alles gut und ich habe noch mein ganzes Leben Zeit dazu endlich erwachsen zu werden. Und bis dahin heißt es „Hang loose.“

Autor: JE

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USA

Amerika, Amerika. Ein großes Land, das viel verspricht und das damals wie heute noch immer dafür sorgt, dass sich viele Menschen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben dorthin aufmachen, um ihr persönliches Glück – ihren American Dream – zu finden. Ich selbst kam durch mein Auslandsstudium zum ersten Mal in Berührung mit dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In dem kleinen Örtchen La Crosse, im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin nahe der kanadischen Grenze, lernte ich für knapp ein Jahr kennen was es heißt, ein fast-Amerikaner zu sein und wie es sich anfühlt, wenn alles ein Stückchen größer und weiter als zuhause ist.

Just Burger, Fries and Coke?
Zugegeben, auch ich war von vornherein nicht ganz frei von Zweifeln und Vorurteilen, die wir Europäer ja immer wieder bezüglich der USA und der dort lebenden Menschen haben, die einen mehr, die anderen weniger. Doch sollte man wirklich über ein Land urteilen, das man selbst niemals besucht hat, dessen Kultur man hat niemals auf sich wirken lassen? Welche Kultur, mag nun vielleicht der eine oder andere etwas spöttisch bemerken. Ich meine jedoch, dass es in den USA genügend Kultur gibt. Amerika ist weit mehr als eine von Fast Food besessene Nation, die sich komplett den Republikanern verschrieben hat und die den Irakkrieg mit patriotischem Hochgefühlen unterstützt – wobei es diese Sorte von Amerikanern, sehr zu meinem Bedauern, natürlich auch gibt.

American way of life
Ich selbst kannte Amerika bis zu dem Zeitpunkt nur aus den vielen Hollywood-Spielfilmen, die, geprägt von Slapstick und Happy Endings, mir den unverwechselbaren American Way of Life vorlebten, den ich unbedingt kennenlernen wollte. Die Realität sah natürlich anders aus. In dem kleinen ländlichen Ort La Crosse, wunderschön am Mississippi gelegen, gab es selbstverständlich keine donutessenden Cops, die am Straßenrand auf Verbrecher warteten. Dafür aber die typisch amerikanischen breiten Straßen, große Autos und vor allem riesige Läden mit noch breiteren Regalen, gefüllt mit Unmengen von mehr oder weniger gesunden Lebensmitteln. Ich erinnere mich lebhaft an die riesigen Tüten von Chips, Nachos und Co., die mich belehrten, dass „groß“ definitiv eine andere Bedeutung in den USA hat.
Auch typisch, die amerikanischen Flaggen vor fast jedem Haus. Was jedoch nicht hieß, dass sich die Menschen nicht für andere Kulturen begeistern konnten. Nicht selten stieß ich auf ungemeines Interesse, wenn ich erzählte, eine deutsche Austauschstudentin zu sein. Generell war das Interesse an Europa groß. In meiner Gastfamilie war ich jederzeit mehr als willkommen und wurde Zeuge einer so herzlichen Gastfreundschaft und Offenheit, wie ich sie mir in Deutschland nur erträumen könnte. Selbstverständlich wurde ich auch zum berühmten Thanksgiving Dinner eingeladen und kam in den stilechten Genuss von „roasted turkey“ und „mashed potatoes“. Ebenso typisch amerikanisch wie auch lecker: Das Grillen von Marshmallows am offenen Lagerfeuer. Dazu eine heiße Tasse Schokolade und die Welt scheint in Ordnung. Zugegeben, die amerikanische Essenskultur ist vielleicht simpler als beispielsweise die französische, dennoch ist sie, nicht zuletzt aufgrund der vielen verschiedenen kulturellen Einflüsse, sehr vielseitig und bietet weit mehr als den klassischen McDonalds Burger.
Was mich jedoch wirklich fasziniert hat, ist die allgemeine Lebenshaltung der Amerikaner, die von einer gewissen Lockerheit und einer positiven Grundeinstellung bestimmt ist, die mir sehr gefallen hat und die ich in Deutschland vermisse. Die Menschen lächeln mehr, scheinen besser gelaunt. Nur amerikanische aufgesetzte und oberflächliche Freundlichkeit? Vielleicht bei manchen, meine persönlichen Erfahrungen aber haben mir gezeigt, dass sich mit einem Lächeln auf den Lippen vieles im Leben leichter lösen lässt.

United we stand?
Natürlich bin ich im Laufe der Zeit auch auf den „typischen“ Amerikaner gestoßen. Nicht wenige besitzen Waffen und sehen auch nach langer Diskussion nicht ein, warum man sein eigenes Hab und Gut nicht standesgemäß verteidigen sollte. Auch teilen viele die Ansicht, dass sich das Land besonders nach 9/11 gegen Muslime, also ihrer Meinung nach gegen mutmaßliche Terroristen, rüsten müsse. Mal abgesehen von diesen Stereotypen finde ich, dass Amerika ein wunderschönes Land ist, das vor allem durch seine Vielfalt punktet. Damit sind nicht nur die vielen Sehenswürdigkeiten wie die Golden Gate Bridge oder die Statue of Liberty gemeint, sondern einfach die atemberaubende Natur. Wer einmal auf dem Highway 101 der kalifornischen Sonne entgegen gefahren ist oder einen der vielen Nationalparks besucht hat, weiß, wovon ich spreche. Ob ich wiederkommen will? Ja, auf jeden Fall. Denn dieses riesige Land hat noch so viel zu bieten, noch so viele facettenreiche Seiten, die mir leider in meiner doch sehr begrenzten Zeit entgangen sind. Ich will nicht anmaßend behaupten, dass die USA jedem gefallen muss. Doch ich habe es dort sehr genossen, besonders die lebensbejahende Einstellung der Amerikaner, ganz nach dem Motto „yes we can“, auch wenn das dem einen oder anderen etwas naiv erscheinen mag. Dabei würde doch ein wenig mehr Optimismus auch in Deutschland nicht schaden.

Autor: MS

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winterblog

Und es schneit weiter. Nichts von einem baldigen Ende des Winters in Sicht. Viele stöhnen beim Blick aus dem Fenster auf, wenn sie die kleinen Flöckchen munter tanzen sehen. Die Straßen sind glatt, die Gehwege sind glatt, das Vorankommen ist nicht gerade ungefährlich. Und wenn dann der kalte Wind auch noch unangenehm durch die Jacke zieht, fragt man sich: „Wann kommt der Sommer?“

Aber mal ehrlich, ist es denn so schlimm? Muss man denn immer über alles rummosern? Genießen wir doch den Augenblick und die weiße Pracht. Außerdem gibt es so unendlich viele Möglichkeiten, sich ein paar heiße Stunden zu machen.
Mir war da so als stünde doch Karneval vor der Tür. Die letzten Kostüme können noch gekauft werden. Wer also nicht weiter über den Schnee meckern will – Bringt doch auch nichts Leute! – und sich stattdessen doch lieber in Feierlaune bringen möchte, der sollte das auch tun!
Also ran an die Kostüme Seeräuber, Burgfräulein oder eine zuckersüße Erdbeere, der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Je bunter und toller desto lustiger wird doch der Spaß. Das ganze kann ja dann auch unter dem Motto „Tanzen und Feiern gegen den Schneefrust“ lauten.
Apropos tanzen, ich werde mich demnächst auf einem Maskenball heiß tanzen, falls ich vorher nicht auf dem Glatteis ausrutsche. Ach du meine Güte, da war er wieder der Schneepessimismus. Aber nein, für ein paar heiße Stunden wird der Ball auf jeden Fall sorgen. Die vielen Tänze sollen ja auch nicht umsonst gelernt sein. Außerdem bringt`s auch noch was für die Gesundheit. Tango tanzen wirkt sich ja positiv auf die Stress- und Sexualhormone aus. Weniger Stress und mehr Nähe – da kann ja kaum etwas schief gehen.
Aber auch entspanntere Aktionen wie der warme Caramel Macchiato im Café sind nicht zu verachten. Ein gemütlicher Plausch und draußen tobt der Schneesturm. Ist doch wunderbar! Und sollte das immer noch nicht genug Ablenkung sein, dann folgt dem Cafébesuch eben noch der Gang ins Kino. Was läuft denn gerade so? Na wie wäre es denn mit dem Krimiklassiker Sherlock Holmes. Die Neuauflage von Guy Ritchie ist doch nun wirklich nicht zu verachten. Da wird einem schon warm ums Herz, ob nun durch die Actionszenen, dem Humor oder einfach vom Anblick der beiden Hauptdarsteller. Wer jetzt noch nicht so richtig überzeugt ist, sollte vielleicht mal in die Sauna gehen und sich dort warme Gedanken machen. Hmm, so ein Wellnesstag klingt eigentlich gar nicht so schlecht. Whirlpool, Sauna, eine Massage, also was der Winter einem alles so beschert, einfach herrlich!
Wer jetzt tatsächlich nicht vom Gedanken an das fehlende Streugut losgekommen ist, den erfreut wohl nur noch das Salz in der Suppe, leider dann im wahrsten Sinne des Wortes.
Alle anderen möchte ich gern noch einmal auf die Winterfreuden aufmerksam machen. Man muss sich ja nicht vom Schneetreiben gänzlich abwenden. Es ist doch viel schöner, sich voll ins Vergnügen hineinzustürzen.
Eine Schneeballschlacht oder kleine Rodelpartie macht riesig Spaß, nicht zu vergessen das Schlittschuhlaufen.
Und eine wirkliche Naturkatastrophe, wie es sie in anderen Teilen der Welt gibt, liegt ja nun auch nicht vor. Also nur Mut, die frostige Gemütsstimmung abgelegt und nun zu heißen Rhythmen das Blut wieder in Wallung bringen! Ich glaube, ich sehe schon ein Stück blauen Himmel. Ich wage daher mal die Prognose: Es wird auch wieder einen Sommer geben.

Autor: MW

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Es_taut

Nachdem uns der Winter gleich mehrere Wochen (die Jahreszeit Winter dauert drei Monate, die Winterzeit sogar sechs!) in seinen eiskalten Klauen hielt, können wir endlich aufatmen! Diesen Katastrophenwinter scheinen wir fürs Erste heil überstanden zu haben. Alle noch da? Man darf gespannt sein, was das zurückweichende Eis alles so freigibt. Einen neuen Ötzi werden wir wohl nicht finden, aber vielleicht taucht ja die Schweinegrippe wieder auf. Die scheint so plötzlich verschwunden zu sein, wie sie uns überfallen hat. Oder die Bankenkrise? Nein, die ist schon längst vorbei, Banken zahlen ihre Schulden zurück – oder auch nicht – und Manager freuen sich wieder über Bonus-Zahlungen. Die Anleger sind allerdings immer noch pleite, viele ehemalige Hausbesitzer obdach- und die Gefeuerten arbeitslos. Aber so ist das mit der Aufmerksamkeit, die hält bei vielen Menschen nicht lang vor, und die der Medienlandschaft schon gar nicht. Egal, wie wichtig eine Meldung ist, sobald es etwas Neueres gibt, steht es im Mittelpunkt, weil News und Medien eben genau davon leben. Und wenn es nichts Neues gibt? Dann werden Meldungen gepusht, die eigentlich keine Aufregung wert wären, wie zum Beispiel die Tatsache, dass es im Winter schneit und friert.

Tja, nun hat uns also die Streusalz-Krise eiskalt erwischt. Obwohl es gerade anfängt zu tauen und schon vor zwei Wochen vielerorts kein Streusalz mehr verfügbar war, ist bis heute jeden Tag von Neuem zu lesen und zu hören, dass den Kommunen und Gemeinden das Streusalz ausgeht. Ein langsamer Abschied… Die volksnahen gelben Engel von FDP und ADAC fordern dazu auf, nationale Streusalz-Reserven anzulegen. Muss man jetzt ein schlechtes Gewissen haben, wenn man das Salz auf das Frühstücksei streut, anstatt es für den nächsten Frost zu bunkern? Doch Rettung ist in Sicht, in den nächsten Tagen sollen Schiffe aus aller Welt mit neuem Salz im Hamburger Hafen eintreffen. Hoffentlich kommen auch bald die Gummistiefel! Angesichts dieser Flut an Meldungen wäre ein Ende mit Schrecken dem Schrecken ohne Ende vorzuziehen.

Dieser Winter ist ein Glücksfall für die Medien. Er hat Neuigkeitswert, ist für viele Gegenden Deutschlands der erste Winter mit viel Schnee und anhaltendem Frost seit vielen Jahren, und vor allem betreffen die Folgen uns alle unmittelbar. Wir frieren, rutschen und fluchen. Die Menschen hatten sich daran gewöhnt, bis kurz vor Weihnachten Flip-Flops zu tragen und haben ihre Winterkleidung scheinbar weggeschmissen. Nun plötzlich sibirische Verhältnisse – in Outdoor-Geschäften waren polartaugliche Expeditionsboots und schwere Daunenjacken der Renner. Feste Winterstiefel in den gängigen Größen waren bereits zum Jahresanfang ausverkauft, und wir fühlten mit den Eingeschlossenen in Dörfern, die komplett von der Außenwelt abgeschnitten waren. Wobei das heutzutage, wie Wetterexperte Jörg Kachelmann trocken kommentierte, ungefähr soviel bedeutet, wie: Man kann nicht direkt mit dem Auto hinfahren.

Viele Menschen haben den Winter aber auch zu Ihrem Vorteil genutzt: Schneeballschlachten, Rodeln, Schlittschuhlaufen, Spaziergänge durch verschneite Landschaften und sogar auf der zugefrorenen Alster in Hamburg sind wiederentdeckte Winterfreuden. Und für Zu-spät-Kommer hatten auch alle Verständnis… Eigentlich gibt es also keinen Grund, nicht ausführlich über diesen Winter zu berichten. Schade ist bloß, dass im Gegensatz zu der imaginierten Katastrophe in einigen verschneiten Landstrichen beispielsweise die reale Katastrophe in Haiti ziemlich kurz kommt.

Doch das Tauwetter bietet uns jetzt die Chance, uns wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nun, wo endlich wieder Salz auf den Tisch kommt, sollte man anfangen, Eier zu bunkern, damit uns nicht zu Ostern die Eier-Krise erwischt. Aber die werden wir bestimmt auch überstehen. Also lassen Sie uns mit einem zuversichtlichen Lächeln das letzte Eis zum Schmelzen bringen…

Autor: JW

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