
Amerika, Amerika. Ein großes Land, das viel verspricht und das damals wie heute noch immer dafür sorgt, dass sich viele Menschen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben dorthin aufmachen, um ihr persönliches Glück – ihren American Dream – zu finden. Ich selbst kam durch mein Auslandsstudium zum ersten Mal in Berührung mit dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In dem kleinen Örtchen La Crosse, im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin nahe der kanadischen Grenze, lernte ich für knapp ein Jahr kennen was es heißt, ein fast-Amerikaner zu sein und wie es sich anfühlt, wenn alles ein Stückchen größer und weiter als zuhause ist.
Just Burger, Fries and Coke?
Zugegeben, auch ich war von vornherein nicht ganz frei von Zweifeln und Vorurteilen, die wir Europäer ja immer wieder bezüglich der USA und der dort lebenden Menschen haben, die einen mehr, die anderen weniger. Doch sollte man wirklich über ein Land urteilen, das man selbst niemals besucht hat, dessen Kultur man hat niemals auf sich wirken lassen? Welche Kultur, mag nun vielleicht der eine oder andere etwas spöttisch bemerken. Ich meine jedoch, dass es in den USA genügend Kultur gibt. Amerika ist weit mehr als eine von Fast Food besessene Nation, die sich komplett den Republikanern verschrieben hat und die den Irakkrieg mit patriotischem Hochgefühlen unterstützt – wobei es diese Sorte von Amerikanern, sehr zu meinem Bedauern, natürlich auch gibt.
American way of life
Ich selbst kannte Amerika bis zu dem Zeitpunkt nur aus den vielen Hollywood-Spielfilmen, die, geprägt von Slapstick und Happy Endings, mir den unverwechselbaren American Way of Life vorlebten, den ich unbedingt kennenlernen wollte. Die Realität sah natürlich anders aus. In dem kleinen ländlichen Ort La Crosse, wunderschön am Mississippi gelegen, gab es selbstverständlich keine donutessenden Cops, die am Straßenrand auf Verbrecher warteten. Dafür aber die typisch amerikanischen breiten Straßen, große Autos und vor allem riesige Läden mit noch breiteren Regalen, gefüllt mit Unmengen von mehr oder weniger gesunden Lebensmitteln. Ich erinnere mich lebhaft an die riesigen Tüten von Chips, Nachos und Co., die mich belehrten, dass „groß“ definitiv eine andere Bedeutung in den USA hat.
Auch typisch, die amerikanischen Flaggen vor fast jedem Haus. Was jedoch nicht hieß, dass sich die Menschen nicht für andere Kulturen begeistern konnten. Nicht selten stieß ich auf ungemeines Interesse, wenn ich erzählte, eine deutsche Austauschstudentin zu sein. Generell war das Interesse an Europa groß. In meiner Gastfamilie war ich jederzeit mehr als willkommen und wurde Zeuge einer so herzlichen Gastfreundschaft und Offenheit, wie ich sie mir in Deutschland nur erträumen könnte. Selbstverständlich wurde ich auch zum berühmten Thanksgiving Dinner eingeladen und kam in den stilechten Genuss von „roasted turkey“ und „mashed potatoes“. Ebenso typisch amerikanisch wie auch lecker: Das Grillen von Marshmallows am offenen Lagerfeuer. Dazu eine heiße Tasse Schokolade und die Welt scheint in Ordnung. Zugegeben, die amerikanische Essenskultur ist vielleicht simpler als beispielsweise die französische, dennoch ist sie, nicht zuletzt aufgrund der vielen verschiedenen kulturellen Einflüsse, sehr vielseitig und bietet weit mehr als den klassischen McDonalds Burger.
Was mich jedoch wirklich fasziniert hat, ist die allgemeine Lebenshaltung der Amerikaner, die von einer gewissen Lockerheit und einer positiven Grundeinstellung bestimmt ist, die mir sehr gefallen hat und die ich in Deutschland vermisse. Die Menschen lächeln mehr, scheinen besser gelaunt. Nur amerikanische aufgesetzte und oberflächliche Freundlichkeit? Vielleicht bei manchen, meine persönlichen Erfahrungen aber haben mir gezeigt, dass sich mit einem Lächeln auf den Lippen vieles im Leben leichter lösen lässt.
United we stand?
Natürlich bin ich im Laufe der Zeit auch auf den „typischen“ Amerikaner gestoßen. Nicht wenige besitzen Waffen und sehen auch nach langer Diskussion nicht ein, warum man sein eigenes Hab und Gut nicht standesgemäß verteidigen sollte. Auch teilen viele die Ansicht, dass sich das Land besonders nach 9/11 gegen Muslime, also ihrer Meinung nach gegen mutmaßliche Terroristen, rüsten müsse. Mal abgesehen von diesen Stereotypen finde ich, dass Amerika ein wunderschönes Land ist, das vor allem durch seine Vielfalt punktet. Damit sind nicht nur die vielen Sehenswürdigkeiten wie die Golden Gate Bridge oder die Statue of Liberty gemeint, sondern einfach die atemberaubende Natur. Wer einmal auf dem Highway 101 der kalifornischen Sonne entgegen gefahren ist oder einen der vielen Nationalparks besucht hat, weiß, wovon ich spreche. Ob ich wiederkommen will? Ja, auf jeden Fall. Denn dieses riesige Land hat noch so viel zu bieten, noch so viele facettenreiche Seiten, die mir leider in meiner doch sehr begrenzten Zeit entgangen sind. Ich will nicht anmaßend behaupten, dass die USA jedem gefallen muss. Doch ich habe es dort sehr genossen, besonders die lebensbejahende Einstellung der Amerikaner, ganz nach dem Motto „yes we can“, auch wenn das dem einen oder anderen etwas naiv erscheinen mag. Dabei würde doch ein wenig mehr Optimismus auch in Deutschland nicht schaden.
Autor: MS

