
Witzig, da hat das Jahr doch gerade erst angefangen und schon sind die ersten Tage und Wochen so schnell an mir vorüber gezogen, dass mir manchmal immer noch ganz schwindelig wird!
Gestern habe ich mich doch tatsächlich bei dem Gedanken ertappt, welches Geschenk ich meinem Freund denn in diesem Jahr zu Weihnachten machen könnte… eigentlich sind es ja noch ein paar Monate hin, aber wenn die Zeit bis dahin genauso schnell vorübergeht wie bisher, muss ich aber mal ganz schnell die Hacken in’ Teer hauen, um noch was Schönes zu finden!
Mal ehrlich, ich bin doch nicht die einzige Person, der es so geht! Ihr denkt doch sicher auch in dem einen oder anderen Moment: „Was? Silvester ist schon fast einen Monat her? Was hab ich denn seitdem groß gemacht?“ Das kann ich Euch leider auch nicht sagen – wahrscheinlich lief Euer Tagesablauf ähnlich ab wie bei mir: Kaum aufgestanden geht es auch schon zur Arbeit, die nach alltäglichem achtstündigen Trott endlich ein Ende nimmt und einen wieder nach Hause führt. Dort erledigt man nach Feierabend noch ein wenig den Haushalt, treibt etwas Sport, unterhält sich mit dem Freund, kocht ein klein wenig, telefoniert kurz mit der besten Freundin (bei dem Wort kurz höre ich übrigens gerade in Gedanken meinen Freund schallend lachen), guckt vielleicht etwas fern. Und dann gerät man plötzlich in Panik, weil es ja schließlich schon halb elf ist und man am nächsten Morgen ja auch schon wieder früh raus muss… damit die ganze Routine erneut abgespielt werden kann.
Im Moment habe ich das Gefühl, ich befinde mich in einem Überschallgeschwindigkeitsflieger, der so schnell unterwegs ist, dass sich nicht einmal ein Blick aus dem Fenster lohnen würde, weil die Welt eh nur verschwommen an einem vorbei fliegt.
Die Tage an sich vergehen eigentlich gar nicht so schnell, betrachtet man sie allerdings in ihrer Gesamtheit, so wird einem schnell klar, dass man einfach nicht weiß, wo die Zeit geblieben ist. Schließlich hat man oftmals nicht wirklich etwas Sinnvolles mit seiner Zeit angestellt, sondern einfach nur den Alltag darin eingebettet. Die Zeit vergeht deshalb wie im Flug, man hat eben kaum spezielle Momente, an die man sich zurück erinnert, keine Highlights, die man erlebt hat. Nichts was einem dabei helfen könnte, den Überschallgeschwindigkeitsflieger zu verlangsamen, geschweige denn anzuhalten.
Wie kann es denn aber eigentlich sein, dass einem in manchen Augenblicken kaum Zeit zum Luftholen bleibt und wiederum in anderen die Langeweile einfach kein Ende nehmen will und die Zeit stillzustehen scheint? Oder anders gefragt: Warum kann sich in einem Moment eine einzelne Minute wie zehn Sekunden anfühlen und im nächsten wie 300? Was hat es denn mit dem subjektiven Zeitempfinden bloß auf sich? Es heißt ja, dass besonders ältere Menschen ihr Gefühl für vergangene Zeit einbüßen und der Meinung sind, ihre Tage wären einfach kürzer als früher. Da muss ich mir ja dann glatt mal die Frage stellen, ob ich nicht schon zum alten Kaliber gehöre – und das mit nicht einmal 30 Jahren.
Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir ein Zitat George Orwells ein: „Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei.“ Sollte es tatsächlich so sein, dann kann ich mich jetzt gerade wohl stolz als neue Marathonläuferin betrachten, die die 42,2 Kilometer in neuer Rekordzeit gelaufen ist. Vielleicht sollten wir alle einfach mal einen Gang runterschalten und uns auf Wesentliches besinnen. Nein, nicht vielleicht! Wir sollten uns und unseren Lieben unbedingt mal ein paar schöne Stunden fernab vom Alltag gönnen – und einfach mal aus dem Überschallgeschwindigkeitsflieger aussteigen und zu Fuß gehen!
Autor: RL