
Oder auch: Warum ich Weihnachten so toll finde!
Weihnachten. Das Fest der Liebe, der Familie, der Geselligkeit. Das Fest von Weihnachtspunsch und Gänsebraten und natürlich der ganzen tollen Geschenke!
We wish you a merry Christmas…
Obwohl das Weihnachtsfest doch tatsächlich jedes Jahr an dem gleichen Tag, nämlich dem 24. Dezember stattfindet, scheint es doch für so viele Menschen jedes Jahr vollkommen überraschend zu kommen. Dann wird sich in der letzten Minute durch das vollgepfropfte Kaufhaus gezwängt, nach irgendeinem Schwachsinnsgeschenk gegriffen, das man sich selbst wahrscheinlich niemals kaufen würde. Hauptsache man hat etwas, denn wehe dem, der an Weihnachten nicht mit dem hübschverpacktem Plunder auf der Weihnachtsmatte steht.
Ja, ein Weihnachtsbummel ist schon was Schönes. In der Woche arbeitet man acht Stunden im Büro, ist müde, genervt und gereizt. Da geht doch nichts über einen lauschigen Bummel in den überfüllten Einkaufspassagen voll mit quängelden Kindern und bellenden Hunden, dazu die wohlklingende Weihnachtsmusik („Jingle Bells“ und „Last Christmas“ auf Repeat) nach Feierabend. Immer schön die Wirtschaft ankurbeln lautet die Devise.
Jingle Bells, Jingle Bells…
Wir sollten in dem ganzen Weihnachtstrubel doch auch die schöne Weihnachtsbeleuchtung nicht vergessen. Ja, da glühen die Zähler im Elektrizitätswerk und die Umwelt freut sich. Aber Peter B. aus K. will doch nur allen zeigen, dass sein Haus am hellsten leuchtet und wie viel Arbeit er sich mit dem Schmücken gemacht hat, alles nur, damit Weihnachten entsprechend gefeiert werden werden kann. Schließlich ist das doch der Sinn von Weihnachten. Wussten Sie das etwa nicht? Komisch.
Natürlich entdecken auch dieses Jahr zu Weihnachten viele Christen wieder ihren Hang zur Kirche und so sind wenigstens einmal im Jahr die Kirchenbänke dicht gefüllt. Ist ja auch ein religiösen Fest, das Weihnachtsfest, und die Krippe in der Kirche sieht immer so schön aus.
Have yourself a merry little Christmas..
Doch für viele ist Weihnachten gar keine schöne, besinnliche Zeit. Rund 10% der Deutschen – das heißt jeder zehnte Deutsche – feiern Weihnachten alleine. Ohne die Wärme und Geborgenheit einer Familie, ohne Lachen und Scherzen, Lieder singen und Geschenke. Niemand da, der einem sagt, wie schön der Weihnachtsbaum, der viel zu viel Platz weg nimmt, geschmückt ist. Niemand da, der einem Plätzchen vorbeibringt, die eh fett machen. Und niemand da, der einem für das schöne Geschenk dankt, das sicher einen Ehrenplatz im Kellerregal bekommt. Aber die sollen sich mal nicht so anstellen, andere haben nicht mal eine Wohnung. Die Obdachlosen auf den Straßen freuen sich sicher, wenn sie am Heiligabend einen Armenspeise bekommen. Manchmal ist so wenig soviel wert.
Auch die Kinder in den Waisenhäusern werden sicher kein tolles, vor teuren Geschenken strotzendes Weihnachtsfest haben.
Andere wiederum werden die Weihnachtsfeiertage arbeiten. Vielleicht auf der Kinderkrebsstation eines Krankenhauses oder in einem Altenheim, in denen sich kein Verwandter blicken lässt, um Oma und Opa ein fröhliches Fest zu wünschen. Wieder andere sind zur Stelle, wenn der opulent geschmückte Weihnachtsbaum Feuer gefangen hat, oder wenn der Familienstreit eskaliert.
Aber daran wollen wir nicht denken, es ist doch schließlich Weihnachten! Und man kann sich doch einmal im Jahr keine Gedanken über andere machen. Macht man ja schließlich schon das ganze Jahr, oder nicht?
Alle Jahre wieder…
Ist Weihnachten denn mittlerweile nicht viel mehr das Fest des Kaufens, Fressens, Saufens und Verdrängens geworden? Weihnachten wird für mich jedes Jahr überflüssiger. Und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da. Jeder fünfte Deutsche will Umfragen zufolge Weihnachten abschaffen. Das ist doch schon mal ein guter Anfang. Und ich bin mir sicher, nach dem ersten Weihnachtsstreit (wie jedes Jahr) werden es noch mehr.
In diesem Sinne wünsche ich trotzdem allen ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest und verabschiede mich mit einem kleinen Gedicht:
Ich wünsche mir in diesem Jahr
mal Weihnacht, wie sie früher war.
Kein Rennen zur Bescherung hin.
Kein Schenken ohne Sinn.
Ich wünsch mir keine teure Sache,
aus der ich mir doch gar nichts mache.
Ich möchte nur ein winzigkleines Stück
vom verlorenen Weihnachtszauber zurück.
Dazu frostklirrend eine Heilige Nacht,
die frischer Schnee winterlich gemacht.
Und leuchtender als sonst die Sterne,
So hätt’ ich’s zur Bescherung gerne.
Wohl auch das Läuten ungezählter Glocken,
die Mitternachts zur Mette locken.
Voll Freude angefüllt die Herzen,
Kinderglück im Schein der Kerzen.
Könnt diese Nacht geweiht doch sein!
Nicht überladen mit Wohlstand - eher klein!
Dann hörte man wohl unter allem Klingen
vielleicht mal wieder Engel singen.
Ach, ich wünsche mir in diesem Jahr
Weihnacht, wie sie als Kind mir war.
Es war einmal, so lang ist’s gar nicht her,
für uns so wenig so viel mehr…
Autor: JE
