Thursday 2.September.2010
 

Monatsarchiv für November, 2009

MorrisseyKonzert

Wenn die Taschen beim Einlass eines Konzerts auf Wurstwaren untersucht werden, dann weiß man: Morrissey ist in der Stadt. Der radikale Vegetarier, der sich bei einem Konzert in Kalifornien über den Geruch von Gegrilltem beschwert hatte („I smell burning flesh and I hope to God it’s human.“) befindet sich derzeit auf der zweiten Deutschlandtournee dieses Jahres um die B-Seiten Compilation „Swords“ zu bewerben. Eigentlich ein Grund zur Freude – schließlich lässt sich der ehemalige Smiths-Frontmann sonst nur relativ selten blicken. Doch leider merkt man dem mittlerweile 50-jährigen Morrissey seine Tourmüdigkeit an.

You were good in your time
Dabei begann der Abend so vielversprechend. „Doll and the Kicks“ hatten zwar noch relativ erfolglos versucht, das bestuhlte CCH1 zu mobilisieren, doch nachdem der obligatorische Vorhang gefallen war und der Halbgott der Indieszene die Bühne betrat, nutzten viele die Möglichkeit, Morrissey einmal aus unmittelbarer Nähe zu sehen – ein Fotograben war nicht vorhanden. Am Anfang noch einigermaßen gutgelaunt, ließ der „Pope of Mope“ sich feiern und schüttelte sogar ausgewählte Hände.

Heaven knows I’m miserable now
Doch nachdem ein Fan sich über eine Bemerkung von Morrissey lauthals beschwert hatte („Go fuck yourself Morrissey!“), in der er sich über das Wort „Hamburger“ mokiert hatte, wurden viele Fans doch recht nervös. Schließlich wollte keiner ein zweites Liverpool erleben – hier wurde Morrissey nämlich vor einigen Tagen am Anfang des Konzerts von einer Plastikflasche getroffen, woraufhin er das Konzert sofort abbrach. In Hamburg begnügte er sich jedoch damit, den Störenfried aus dem Saal werfen zu lassen und danach wie auf Autopilot das Konzert zu beenden. Selbst ein „But I love you, Morrissey“ konnte ihn nicht umstimmen: „Well, go love me outside!“

Shame is the name
Musikalisch gab es dagegen leider keine Überraschungen – trotz seines erstaunlichen Backkatalogs von ganzen neun Soloalben sowie den Alben der Smiths begnügte Morrissey sich damit, in etwa das gleiche Konzert, das er bereits im Juni in Bremen gespielt hatte, zu wiederholen. Eröffnet wurde (wie immer im Jahr 2009) mit „This Charming Man“, von „Swords“ gab es immerhin das famose „Because Of My Poor Education“, sowie „Ganglord“ und das irrelevante „Teenage Dad On His Estate“ zu hören. Zudem merkt man Morrissey seine Erschöpfung auch an der Stimme an, die im CCH relativ oft versagte.

One day goodbye will be farewell
Es ist Zeit für eine Pause. Doch zunächst wird er natürlich die Swords Tour zu Ende bringen. Am 19. November tritt Morrissey in Düsseldorf auf, am 20.11. wird er in München zu sehen sein – wenn keine Flaschen, Fleischwürste oder Beleidigungen dazwischenkommen…

Autor: SH

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herbscht

Es ist dunkel, wenn ich aufstehe, es ist dunkel, wenn ich von der Arbeit komme. Der Herbst schlägt mit seiner fatalen Freude an Dunkelheit gnadenlos herzlos zu. Ich bin nicht ganz sicher, ob es überhaupt jemals wieder hell werden kann. Um mich zu vergewissern, blinzele ich einer Laterne zu und hoffe davon eine Ahnung von Helligkeit zu bekommen. Zu viele tote Fliegen schrecken mich ab und ich versuche es mit einem hell beleuchteten Schaufenster. Ein viel zu kalter Wind lässt mich meine Jacke enger ziehen. Wo ist der Sommer nur geblieben? Der blaue Himmel und die wundervoll wärmenden Sonnenstrahlen? Es beginnt leicht zu nieseln. Meine Stimmung bewegt sich auf den Nullpunkt zu. Grau, grau und nochmals grau, es ist wirklich deprimierend. Da fehlt einem die Lust auch nur irgendetwas zu unternehmen. Von wegen man soll sich viel bewegen, um nicht depressiv zu werden, wie soll das bitte schön gehen, wenn es draußen kalt und regnerisch ist?!

Und da der Mensch ein sehr vergessliches Wesen ist, kann ich gut verstehen, weshalb die Suizidrate in solchen Monaten sicher nicht weniger wird. Es weiß ja keiner mehr, dass es den Sommer gibt. Wo war er übrigens, ganz sicher hatte ich da nicht frei. Naja lassen wir das.

Ich kämpfe mich über das nasse und rutschige Laubwerk zur Bahn vor. Kurz überlege ich mir etwas Süßes beim Bäcker zu kaufen, soll ja auch die Stimmung heben. Gerade kann ich mich noch davon abhalten, deprimiert und fett, das wäre zu viel. Hat sich sicher auch die Industrie ausgedacht, gerade jetzt die Süßigkeiten in Unmengen auf den Markt zu werfen. Gerade für uns gefährdete Herbstdepressive ein gemeines Suchtmittel. Wahrscheinlich stehen sie in geschäftlicher Beziehung mit den Fitnesscentern. Obst- und Gemüsehändler sollten dem weihnachtlichen Süßkram Geschäft mal Konkurrenz machen, gesunde Ernährung ist doch genauso wichtig für ein gutes Wohlbefinden. Hmm, vielleicht Bananen mit Schokoüberzug. Während mir bei dieser Überlegung auffällt, wie mich die Weihnachtskonsummaschinerie schon völlig vereinnahmt hat, fährt die Bahn ein.

Mich schon aus den erdrückenden Klauen des Tages wähnend, stehe ich nun im leicht überfüllten Zug. Da passiert es. Sie beginnen um mich herum zu husten und hier und da zu niesen. Einfach schrecklich! Gefangen in der Bazillenschleuder! Der nächste apokalyptische Hollywood-Film würde ganz gewiss diesen Titel tragen.
Mitten im Schweinefieberwahn stecke ich nun zwischen diesen röchelnden Menschen fest. Mein Gesicht vergräbt sich immer tiefer in meinem Schal. Vielleicht sollte ein Mundschutz in öffentlichen Verkehrsmitteln vorgeschrieben werden? Die Diskussion, ob Impfen lassen oder nicht, schwebt ja nun zurzeit über ganz Deutschland. Aber ich denke, ich werde die Panikmache ignorieren und der dunklen Macht der Pharmaindustrie unter Einsatz meines Lebens entgegenstehen. Wahrscheinlich ist sie ebenso dunkel wie der Herbsttag sich heute vor mir aufgetan hat.

Aber ich will nicht missmutig erscheinen. Dass man sich in der Woche nun von einem Dunkel zum anderen bewegt, nun ja, da ist das Wochenende doch um so schöner. Und seien wir mal ehrlich, wer würde seinen Glühwein gern an einem hellen Sommertag trinken? Ich gestehe auch ein, dass mir die weihnachtliche Beleuchtung der Stadt gefällt und ich mich an den kleinen beleuchteten Sternen oder Schwibbögen in den Fenstern der Häuser ebenfalls erfreue. Da verzichtet man doch auch gern mal auf Tageslicht. Soweit so gut mit meinen Geständnissen. Der Herbstdepression ist also doch Einiges entgegenzusetzen. Und vor allem auch Süßes, Schokoplätzchen, Kokosmakronen, Vanillekipferl. Oh je ich beginne zu schwärmen. Macht eben doch glücklich. Was soll`s, das Leben muss man genießen können.
Und da sieht man es mal wieder: Es ist alles nur so Dunkel wie man es sich macht.

Also auf in den vielleicht gar nicht so grauen Herbst! Es kann sein, dass ich mir den Weg mit einem bunten Lampion leuchten werde.

Autor: MW

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