
Wenn die Taschen beim Einlass eines Konzerts auf Wurstwaren untersucht werden, dann weiß man: Morrissey ist in der Stadt. Der radikale Vegetarier, der sich bei einem Konzert in Kalifornien über den Geruch von Gegrilltem beschwert hatte („I smell burning flesh and I hope to God it’s human.“) befindet sich derzeit auf der zweiten Deutschlandtournee dieses Jahres um die B-Seiten Compilation „Swords“ zu bewerben. Eigentlich ein Grund zur Freude – schließlich lässt sich der ehemalige Smiths-Frontmann sonst nur relativ selten blicken. Doch leider merkt man dem mittlerweile 50-jährigen Morrissey seine Tourmüdigkeit an.
You were good in your time
Dabei begann der Abend so vielversprechend. „Doll and the Kicks“ hatten zwar noch relativ erfolglos versucht, das bestuhlte CCH1 zu mobilisieren, doch nachdem der obligatorische Vorhang gefallen war und der Halbgott der Indieszene die Bühne betrat, nutzten viele die Möglichkeit, Morrissey einmal aus unmittelbarer Nähe zu sehen – ein Fotograben war nicht vorhanden. Am Anfang noch einigermaßen gutgelaunt, ließ der „Pope of Mope“ sich feiern und schüttelte sogar ausgewählte Hände.
Heaven knows I’m miserable now
Doch nachdem ein Fan sich über eine Bemerkung von Morrissey lauthals beschwert hatte („Go fuck yourself Morrissey!“), in der er sich über das Wort „Hamburger“ mokiert hatte, wurden viele Fans doch recht nervös. Schließlich wollte keiner ein zweites Liverpool erleben – hier wurde Morrissey nämlich vor einigen Tagen am Anfang des Konzerts von einer Plastikflasche getroffen, woraufhin er das Konzert sofort abbrach. In Hamburg begnügte er sich jedoch damit, den Störenfried aus dem Saal werfen zu lassen und danach wie auf Autopilot das Konzert zu beenden. Selbst ein „But I love you, Morrissey“ konnte ihn nicht umstimmen: „Well, go love me outside!“
Shame is the name
Musikalisch gab es dagegen leider keine Überraschungen – trotz seines erstaunlichen Backkatalogs von ganzen neun Soloalben sowie den Alben der Smiths begnügte Morrissey sich damit, in etwa das gleiche Konzert, das er bereits im Juni in Bremen gespielt hatte, zu wiederholen. Eröffnet wurde (wie immer im Jahr 2009) mit „This Charming Man“, von „Swords“ gab es immerhin das famose „Because Of My Poor Education“, sowie „Ganglord“ und das irrelevante „Teenage Dad On His Estate“ zu hören. Zudem merkt man Morrissey seine Erschöpfung auch an der Stimme an, die im CCH relativ oft versagte.
One day goodbye will be farewell
Es ist Zeit für eine Pause. Doch zunächst wird er natürlich die Swords Tour zu Ende bringen. Am 19. November tritt Morrissey in Düsseldorf auf, am 20.11. wird er in München zu sehen sein – wenn keine Flaschen, Fleischwürste oder Beleidigungen dazwischenkommen…
Autor: SH
