Monday 15.March.2010
 

Monatsarchiv für Juli, 2009

Blog_Alt_1.jpg„Von sieben bis sieben, ich wär gern geblieben, doch Baby, ich bin zu alt!“ (Superpunk)

Zeit für ein Geständnis.
Ich bin 27 Jahre und fühle mich alt. Nick Hornby hat dazu mal sinngemäß gesagt: Sich mit 27 alt zu fühlen, ist nicht vergleichbar, wie sich mit 37 alt zu fühlen. Kann sein. Weiß ich nicht. Ich fühle mich alt. Und warum auch nicht? Das Studium liegt hinter mir, ich stehe – mehr oder weniger – fest im Beruf, ich wohne in einer Wohnung, die nicht mit Überresten aus meinem Kinderzimmer eingerichtet ist und ich habe mehrere hundert Euro für einen Kühlschrank ausgegeben.

Freunde um mich herum heiraten, kaufen Eigentumswohnungen, bekommen Kinder oder haben – oh Schreck – sogar ein Haus im Grünen. Ich nicht.
Gleichzeitig feiere ich aber auch nicht mehr die Nächte durch. Oder auch nur irgendeine Nacht. Ich  kann kochen, bezahle Rechnungen, schließe Verträge ab, mir schmecken Oliven, ich habe die ersten grauen Haare. Ich stehe morgens um sechs auf und nicht mehr um neun. Ich beginne mein Leben durchzuorganisieren. Schließe Versicherungen ab. Ich denke ernsthaft darüber nach, ob ich anfangen sollte, zu riestern – und langweile mich dabei so sehr selbst, dass ich den Gedanken gleich wieder verwerfe.

All die bösen Vorurteile über das Älterwerden stimmen: Konnte ich früher noch sechs Sorten Alkohol mischen, bleibe ich heute lieber bei einem Getränk. Statt am Wochenende morgens erst um 11 Uhr morgens aufzustehen, falle ich Freitag abends um 11 ins Bett. Was ich früher verachtet habe, scheint jetzt wünschenswert: ein Pärchenabend. Alleine das Wort schon…Und doch: In irgendeinen pseudocoolen Club zu gehen, indem ich mein eigenes Wort nicht verstehe, scheint sich einfach nicht mehr mit meiner Vorstellung von einem schönen Abend zu decken.

Vielleicht gibt es Menschen, die sich immer alt fühlen. Vielleicht gehöre ich dazu. Ich erinnere mich daran, zehn Jahre alt zu werden und voller Schwermut zu denken: „Okay, jetzt bist du zehn Jahre, ab jetzt wird dein Alter nie wieder einstellig sein. Bald brauchst du drei Hände, um anderen zu zeigen, wie alt du bist.“ (Ich bin nicht taubstumm, ich war nur auch schon als Kind ein großer Fan des Visualisierens anhand großer Gesten).
Abgesehen, davon, dass man in diesem Alter nun wirklich nicht mehr anhand von Fingern anzeigen sollte, in welchem Lebensjahr man sich befindet, sagt das wohl vor allem eins aus: Ich war altklug und kindlich zu gleich. Und vielleicht bin ich das heute auch noch – irgendwo zwischen sehr erwachsen und doch noch furchtbar jung.

Sachen von denen ich mit 17 nicht gedacht hätte, dass ich sie mit 27 machen würde:

*rohes Fleisch anfassen, ohne sich zu ekeln und daraus auch noch etwas Appetitliches kochen können
*verstehen, warum eine Haftpflichtversicherung wichtig ist, und dann auch tatsächlich eine abschließen
*Pärchenabende verbringen – und sie genießen
*eine Pflanze über mehrere Monate am Leben halten
*kontrolliert Süßigkeiten essen
*wissen, wie man Kalkflecken entfernt
*bügeln

Sachen die ich mit 27 immer noch mache, als wäre ich süße 17:

*Musik lieben. Und damit meine ich nicht, Musik hören und sie schön finden, sondern lieben. Wäre ich Single, würde ich Musik zu meinem Freund machen.
*auf Konzerte gehen, sich nach vorne prügeln und sich über den Mob um einen herum erfreuen.
*Alkohol trinken, Sekt, Bier, Schnaps – du hast es? Mir schmeckt es. Oder ich trinke es zumindest.

In diesem Sinne: Prost! So jung kommen wir nicht mehr zusammen…

SH

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