Tuesday 16.March.2010
 

Monatsarchiv für Juni, 2009

Selfness.jpgWer bist du denn? Du siehst aber putzig aus und du glänzt so schön! Ja, Selfness heißt das frischgebackene Baby der Wohlfühl-Industrie.

Wellness. Kein anderer Begriff ist in den letzten Jahren so gedehnt und ausgelatscht worden wie dieser. Wäre Wellness ein Mensch aus Fleisch und Blut, so wäre er jetzt ein 40-jähriger Workaholiker am Ende seiner Kräfte. Mit tiefen Augenringen, nikotingelben Fingerspitzen und einem schlecht sitzendem Anzug. Zum Glück ist Wellness nur ein Begriff und man muss kein Mitleid mit ihm haben, sondern kann ihn einfach vergessen.

Wellness ist Anfang 2009 nichts Schönes mehr. Denn wer Wellness noch erstklassig und luxuriös erfahren will, muss lange suchen. Denn nicht nur Hotels haben den Modebegriff, der ja ach so viel Entspannung und Frieden verspricht, aufgegriffen, sondern auch jedes andere erdenkliche Produkt aus jeder nur möglichen Branche. Da gibt es nicht nur Getränke mit mal mehr und mal weniger besonderen Inhaltsstoffen wie Ginko, weißer Tee und Mango, sondern mittlerweile auch Bier, Gleitgel und Motoröl, welches mit dem Begriff Wellness für sich wirbt. Ein jeder wollte auf den Gesundheits-Wohlfühl-Zug mit aufspringen und machte damit etwas Schönes vollkommen kaputt. Trittbrettfahren in die falsche Richtung, sagt man dazu, denn der Konsument ist nicht dumm. Er ist zwar nicht der schnellste und hat die ersten Jahre noch fleißig alles ausprobiert, was Erholung und Entspannung versprach, war dann aber doch hinter den Trick gekommen und meidet nun alles, auf dem Wellness zu lesen ist. Pech gehabt, liebe Werber, das hätte man ja auch ahnen können, wo man doch schon mit Bruder Bio das Gleiche erlebt hat.

Aber was wäre denn die Werbelandschaft ohne ein schönes neues Wort, das den Wellness-Wahn ablöst und die Menschen wieder in den Bann zieht!? Lange hat es nicht gebraucht, um etwas zu finden, und da ist es: Selfness. Die neue Mischung aus Wohlfühlen und Selbsfindung. Darauf hat die Menschheit gewartet!
Spaß beiseite. Wenn man das Ganze allerdings ernsthaft betrachtet, so gibt es auch hier einen sinnvollen Ansatz, eben wie bei Wellness auch. Denn Selfness kommt dem Wunsch vieler Menschen nach, sich selbst zu finden und sich dann, nach Abschluss dieser Mission, hoffentlich, wohler zu fühlen als zuvor. Probleme lösen, in dem man zu allererst bei sich selbst beginnt. Eine alte Weisheit, neu aufgegriffen und in ein schönes Wort verpackt. Selfness verspricht keine vorrübergehende Entspannung, nach der wieder in den stressigen Alltag gerannt werden kann, sondern eine langfristige Besserung des Wohlbefindens, damit der stressige Alltag gar nicht mehr so nervtötend und zerreibend ist.

Während man sich selbst noch vor einiger Zeit beim Künstlern, Reisen, Neu-verlieben und Auswandern finden konnte, so kann man dies mittels Selfness zukünftig in Persönlichkeitstrainings oder Selbsterfahrungstrips. Für teuer Geld, versteht sich. Denn, so wird es uns noch vermittelt; Selfness ist kein Humbug, sondern eine große Theorie, die sich um Problem-Commitment, Work-Life-Balance und Reifungs-Kompetenz dreht. Mal sehen, wann wir das erste Selfness-Getränk in den Händen halten dürfen.

Autor: FZ

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