Thursday 18.March.2010
 

Monatsarchiv für März, 2009

BlogFu__ball.jpgLetztens hab ich Fußball mit meinem neuen Freund geschaut. Mit neuen Partnern ist das so eine Sache, man weiß auch nach ein paar Monaten nicht, was einen erwartet und so kann man ziemlich hinterhältig von komischen Angewohnheiten überfallen werden. Wie auch diesen Abend:
Ich saß nichtsahnend neben ihm und kaute lustlos auf seiner selbst-in-den-Ofen-geschobenen Pizza herum, da stand er doch glatt zur Deutschen Nationalhymne eines zweitrangigen Länderspiels von der Couch auf! Packte sich die Hand aufs Herz und schwieg andächtig, während die Kamera über die Gesichter der Spieler schwenkte.
Wie gern hätte ich ein Bild von meinem offenen Mund gesehen, aus dem das zerkaute Stück Salami winkte. In diesem Moment konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich laut loslachen oder mit aufstehen sollte. Ich fühlte mich wie ein Tier im Käfig, unfähig irgendwas zu tun, als da zu sitzen und seinen Hintern anzustarren. Die zwei Minuten, die wir dann gemeinsam verbrachten, er stehend, ich sitzend, waren die längsten des Abends. Bis er sich endlich (endlich!) wieder hinsetzte, hatte ich mehr geschwitzt als nach ein paar Liegestützen bei dem Gedanken daran, dass ich mir diesen Mann ausgesucht hatte und ihn eigentlich toll fand. Aber genau dieser Mann hatte gerade andächtig vorm Fernseher gestanden und „Blühe, deutsches Vaterland“ mitgesummt.
Fremdschämen Deluxe.

Bitte was ist das mit Männern und Fußball?
Versteht mich nicht falsch, ich mag Fußball. Ich schaue es mir gerne an, von der Couch aus, jubele bei Toren und bin traurig, wenn Deutschland in irgendeinem Finale mal wieder kurz vor knapp rausfliegt. Ich habe sogar geweint, als unsere Mannschaft damals im Halbfinale gegen Italien ausschied. Ich bin also alles andere als eine typische Frau, dich sich stundenlang Sex and the City anschaut und dabei Joghurt Gums zwischen den Zehen hat.
Aber hallo!? Aus der Sicht eines Außerirdischen betrachtet, sitzen da tausende von Menschen in komischen Aufzügen um ein Spielfeld herum und veranstalten einen Heidenlärm, weil da andere Männer einem runden Ding hinterherlaufen und mit den Füßen danach treten.
Mehr ist es nicht! Und noch lange kein Grund zu Hause vor dem Fernseher zu stehen und die Hand auf die Brust zu patschen! Immerhin macht man das im Stadion doch schon, wie würde das aussehen, wenn jeder vor dem heimischen Fernseher steht? Oder stellt sich etwa irgendjemand auf, wenn Angela Merkel eine Rede hält? Nein.

Vielen Frauen geht es so wie mir, obwohl wenige je mit einer ähnlich peinlichen Situation zu kämpfen hatten. Fußball läuft allem dem Rang ab. Wenn Fußball-WM ist, werden statistisch gesehen viel weniger Kinder gezeugt und mich würde es nicht wundern, wenn sich in der Zeit mehr Frauen fürs Lesbischsein entschieden als sonst. Wer einen hartnäckigen Fußballfan zum Freund hat, weiß, was ich meine. Zu Heimspielen wird hingegangen, das Davor und Danach ausgiebig zelebriert, sogar das Kartenkaufen wird mit Bier begossen. „Entschuldigung, ich kann morgen nicht zu dir kommen und einen netten Abend verbringen. Ich muss die Karten abholen. Für Fußball. Das verstehst du doch sicher.“
Freunde werden zu jedem dummen Spiel eingeladen, die dann im Chor den Fernseher anschreien und bierfeuchte Spucke versprühend rufen:
Mach ihn rein! Mach ihn rein!
Doch warum, warum, warum??
Keiner weiß eine Antwort. Google nicht, Freud nicht, keiner weiß es. Es muss wohl daran liegen, dass Männer Kämpfernaturen sind und ihnen das Herz aufgeht, bei einem Krieg live dabei sein zu können. Oder zumindest das Gefühl zu haben, sie seien live dabei. Denn wehe dem, Sie erzählen Ihrem Liebling, dass das Spiel eh mit einer Verzögerung von fünf Sekunden über den Bildschirm flimmert. Das will er nämlich nicht hören und geht wohl möglich ab dann jedes Spiel im Stadion ansehen.
Wenn das so wäre, bliebe der Frau nichts anderes mehr übrig, als still und heimlich zu hoffen, dass seine Mannschaft verliert, denn sonst ziehen er und seine Kumpels bis morgens um sechs durch sämtliche Pubs. Und ihr Mann, sogenannter, ist dann für die nächsten zwei Tage zu nichts zu gebrauchen. Ein Hoch auf den Fußball!

Autor: FZ

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