Monday 15.March.2010
 

Monatsarchiv für Februar, 2009

Blog_Gewissen_1.jpgHeute ist einer dieser Tage, an denen ich nur essen könnte. Aber nicht normale Dinge. Süßes! Süßes!!!
Morgens, halb zehn in Deutschland, steht mir der Sinn nicht nur nach einem Knoppers. Ich könnte ganze Wagenladungen Knoppers verdrücken. Noch besser sind Schokolade, Gummibärchen und Nüsse!
Geht mir weg mit gesunder Rohkost und Salat. Selbst mein sonst so heißgeliebtes Laugenbrötchen, bestrichen mit fettarmen Fischkäse kann mir sowas von gestohlen bleiben.
Ich habe Heißhunger. Und zwar richtig. „Süüüßeeees!!“ ,schreit das Monster in mir und ist es einmal geweckt, dann will es immer mehr.
Was noch schreit, ist nicht nur mein Kopf, was außerdem wach wird, ist das schlechte Gewissen. Mir kommt es so vor als gäbe es das schlechte Gewissen gar nicht mehr ohne Verlangen. Die beiden sind die besten Freunde und ärgern mich immer im Doppelpack.
Aber wieso ist alles, was ich will verboten, macht dick oder kostet zu viel?
Manchmal habe ich das Gefühl ich bestehe bei allem, was ich aus einem Verlangen heraus tue, nur aus schlechtem Gewissen danach.
Der schöne Designer-Schreibtisch aus dem Outlet-Store. Uff, 270 Euro? Immernoch? Innerlich sehe ich mich schon wütend aus dem Laden stürmen und das gute Stück für immer vergessen, doch in der Realität blicke ich mich verstohlen nach dem Verkäufer um. Streune ein paar Runden im Laden, lasse den Tisch nicht aus den Augen und zwinge mich dann mit all meiner Willenskraft dazu, das Geschäft zu verlassen. Nur was ich jetzt schon weiß ist, dass ich wiederkommen werde. So laut das schlechte Finanzgewissen mich ermahnen wird nicht sinnlos Geld zu vergeuden, ich werde diesen Schreibtisch kaufen. Und danach ein schlechtes Gewissen haben.
Ähnlich sieht es mit vielen anderen Dingen aus, die verboten sind. Sobald sie verboten sind, bekomme ich es nicht mehr aus meinem Kopf und es würde mich bis an mein Lebensende, so denke ich, ärgern, wenn ich dem Verlangen nicht nachgebe. Obwohl ich weiß, dass ich mich danach schlecht fühle. Dabei habe ich mir doch nur einen Wunsch erfüllt!
Ganz klar für mich, da will mir einer das Leben vermiesen. Nur wer?

Ich google eine bisschen in der Weltgeschichte herum, um herauszufinden, wer mich hier ärgern will. Wikipedia wird mir als erstes empfohlen und der sagt mir wiederum dass ich Freud fragen soll.
Doof, dass der schon längst das Zeitliche gesegnet hat, aber in seinen Werken sehe ich schnell, dass ich nur einem hier die Schuld zuschieben kann. Meinen Eltern.
Freud sagt, ich werde praktisch in drei Personen eingeteilt. Das Ich, das Es und das Über-Ich.
Moment, bin ich etwa schizophren? Sind wir alle schizophren? Ich denke an die Situation mit dem Schreibtisch zurück und muss ein bisschen schmunzeln, ja, manchmal fühle ich mich wie in zwei Hälften gerissen. Vielleicht hat Freud recht. Schnell weiterlesen.
Das Ich also bin wirklich ich. Wie ich mich selbst sehe, wie ich mein Verhalten beurteile.
Das Es beeinflusst mein Ich. Es ist triebhaft und egoistisch, sozusagen das Teufelchen auf meiner Schulter, wobei das altruistische Über-Ich das kleine Engelchen darstellt. Und wie kann es anders sei, als dass das Über-Ich von meinen Eltern geprägt wurde, die mir in jungen Jahren Werte und Normen zu v ermitteln versuchten. Dinge wie: „Iss nicht zu viel Schokolade, da wirst du dick und krank und kriegt Bauchschmerzen!“ oder „Verschwende kein Geld, sonst sitzt du irgendwann auf der Straße.“
Wenn Engelchen und Teufelchen auf meinen Schultern also in Streit geraten und das Teufelchen siegt, habe ich ein schlechtes Gewissen. Danke Mutti!
Aber meiner Meinung nach ist es auch ein bisschen einfach immer der Prägung die Schuld in die Schuhe zu schieben.
Ich für meinen Teil würde gerne die Modewelt und sämtlichen Medien die Schuld für mein schlechte Gewissen geben. Daran, dass ich jetzt hier sitze und ein schlechtes Gewissen habe, weil ich heute morgen schon mehr als genug Kekse und Schokolade gegessen habe. Daran, dass ich spätestens in einer Woche die Folgen davon auf meinen Hüften erkennen kann und mich ganz fürchterlich ärgere. Wenn Heidi Klum auch ein bisschen mehr auf den Knochen hätte und zugeben würde, dass sie auch manchmal löffelweise Nutella aus dem Glas isst, dann würde ich mich jetzt nicht so schlecht fühlen. Garantiert!

Autor: FZ

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